Das „Who’s Who“ der COMPACT-Konferenz

Für die Konferenzen des COMPACT-Magazins stellte die Halber85 bisher dreimal ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Diese Treffen dienen neben der Werbung für das Magazin vor allem der Vernetzung neuer Nazis. Das COMPACT-Magazin wurde im Jahr 2010 von Jürgen Elsässer gegründet. Mit seiner Auflage von mehreren zehntausend Exemplaren verbreitet die monatlich erscheinende Fake-News-Bravo für alte weiße Männer viel rechte Propaganda. Ein Blick auf die angekündigten Gäste der Konferenz zeigt nur einmal mehr die Verwobenheit des COMPACT-Magazins im Netzwerk der sogenannten Neuen Rechten.

Michael Limburg

Der 79-jährige Michael Limburg ist Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des „Europäischen Instituts für Klima & Energie“ (EIKE), einer Lobbyorganisation von Klimawandelleugnern. Limburg ist Mitglied der AfD. Große Teile seiner Positionen zum Klimawandel wurden ins Parteiprogramm übernommen. Laut einem Faktencheck der Klimaplattform klimafakten.de enthält dieses Grundsatzprogramm „fast keine Aussage, die mit dem Stand der Forschung zu Klima und Klimawandel vereinbar ist“, aber zeichne sich durch „eklatant falsche und irreführende Aussagen“ aus. Außerdem ist Limburg Mitglied der Hayek-Gesellschaft, die die Ideologie des freien Marktes propagiert.

Holger Strohm

Mit „Friedlich in die Katastrophe“ schrieb Holger Strohm 1971 sein erstes Buch, das die Gefahren der Atomenergienutzung erläuterte. Ursprünglich war der heute 77-jährige Strohm Mitglied der SPD, wurde später aber ausgeschlossen. Strohm ging verschiedenen Tätigkeiten nach und schrieb mehrere Dutzend Bücher. Dabei suchte er immer wieder den Anschluss zur Verschwörungstheoretiker- und Esoterik-Szene und ist selbst Anhänger kruder Verschwörungstheorien. Im Jahr 2012 wurde durch das NPD-nahe Magazin „Umwelt & Aktiv“ ein Interview mit Strohm veröffentlicht. Nachdem 2015 die Dokumentation „Empörung und Verschwörung – Porträt einer Person auf dem Weg in rechte Ideologien“ über ihn veröffentlicht wurde, klagte er erfolglos gegen den Film.

Oliver Hilburger

Der heute 50-jährige Oliver Hilburger gründete im Jahr 2009 in Suttgart die Scheingewerkschaft „Zentrum Automobil“. Zuvor war er für 20 Jahre Gitarrist der Rechtsrockband „Noie Werte“. Lieder von „Noie Werte“ fanden sich auch auf einem Bekennervideo der NSU-Mörder. Hilburger distanzierte sich von diesen Liedern der Form halber. Während der Ermittlungen zum NSU wurde bekannt, dass er 2001 eine Besuchserlaubnis für den damals inhaftierten mutmaßlichen NSU-Unterstützer Jan Werner beantragt hatte.
Seit 2017 arbeiten Hilburger und „Zentrum Automobil“ eng mit der völkischen „Ein Prozent“-Initiative und PEGIDA zusammen. Oliver Hilburger ist nicht zum ersten Mal beim „Compact“-Magazin zu Gast. 2017 sprach er bei einer „Oppositionskonferenz“ des Blattes.

Dirk Spaniel

Der ehemalige Daimler-Ingenieur Dirk Spaniel sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag. Dort tritt er als Kämpfer für den Verbrennungsmotor auf. Der 48-jährige gehört der völkisch-nationalistischen Plattform „der Flügel“ um Börn Höcke an. Neben seinem Kampf für das Auto richtet sich seine Politik gegen die Umweltschutzbewegung im Allgemeinen. Zwar erkennt Spaniel an, dass es einen Klimawandel gibt (dessen menschengemachten Anteil er aber in Zweifel zieht). Jedoch sieht er diesen vor allem als Problem, weil durch dessen Auswirkungen Menschen zur Flucht gezwungen werden, deren Aufnahme in Deutschland er als Asylgegner aber ablehnt.

Gerhard Wisnewski

Ob Klimawandel, Mondlandung oder RAF – für Gerhard Wisnewski angeblich alles Erfindungen. Der 59-jährige verdient sein Geld mit Büchern über solche und andere Verschwörungstheorien. Die Bücher erscheinen seit ein paar Jahren im rechten Kopp-Verlag. Außerdem schreibt Wisnewski für das COMPACT-Magazin und veröffentlicht regelmäßig Videos mit seinen wirren Ansichten auf Youtube. In Zeiten der Informationsflut, in denen Fakten weniger gelten, gelingt es dem Allrounder in Sachen Verschwörungstheorien besonders gut, ein Publikum für seine Inhalte zu begeistern. Natürlich hat er auch nichts gegen menschenverachtende Hetze gegen Flüchtlinge und wollte angesichts der in der Vergangenheit kurzeitig gestiegenen Flüchtlingszahl den sogenannten Verteidigungsfall ausrufen.

Christoph Zloch alias Chris Ares

Unter dem Künstlernamen Chris Ares konnte der 27-jährige NS-Rapper Christoph Zloch in den vergangenen Monaten einen breiteren Personenkreis erreichen. Zloch steht der „Identitären Bewegung“ nahe und fiel in der Vergangenheit durch Angriffe auf Journalisten auf. Mit seiner Musik stellt er einen wichtigen Teil einer neurechten Lebenswelt dar. Auch wenn die früher aus dem Rechtsrock bekannte faschistische Hetze von Ares geschickter und als Rap verpackt daherkommt, ist seine reaktionäre Einstellung, die auf der menschenverachtenden Ideologie der Ungleichheit basiert, nicht zu überhören. Christoph Zloch ist bisher nicht besonders für Verschwörungstheorien mit Bezug zum Klimawandel bekannt. Fraglich ist, ob das COMPACT-Magazin mit dem Auftritt des, angesichts der sonst angekündigten alten weißen Männer, deutlich jüngeren Rappers auch Veranstaltungsteilnehmer diesseits der 30 Jahre anlocken kann.

Martin Sellner

Der Österreicher Martin Sellner gilt als Kopf der „Identitären Bewegung“ und war in der Vergangenheit mehrfach Redner bei COMPACT-Veranstaltungen. Als Jugendlicher schloss er sich der Neonaziszene um Gottfried Küssel an. Sellners Herkunft aus dem Milieu des Nationalen Widerstands steht für die beispielhafte Verwurzelung der „Identitären“ im Neonazismus. Neben seinen IB-Aktivitäten konnte er ein großes Publikum mit Hetzvideos bei Youtube gewinnen. Der 30-jährige arbeitet eng mit dem faschistischen „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda zusammen und stand in Verbindung mit dem Christchurch-Attentäter, der ihn finanziell unterstützte. Sellner trug maßgeblich zur Verbreitung des Mythos vom Bevölkerungsaustausch bei, der mehrfach rechten Terroristen als Motiv für ihre Attentate diente und dutzenden Menschen das Leben kostete.

Jürgen Elsässer

Als Verschwörungstheoretiker, Querfrontaktivist und vor allem Chefredakteur des COMPACT-Magazins tritt Jürgen Elässer natürlich selbst bei seiner COMPACT-Konferenz als Redner auf. Der 62-jährige hat seit seinen nachvollziehbaren Anfängen beim Kommunistischen Bund und bei verschiedenen linken Zeitungen einen starken Rechtskurs eingelegt. Seit ein paar Jahren ist er mit seinem Magazin Teil des neurechten Netzwerks zwischen AfD, PEGIDA, „Identitärer Bewegung“ und „Institut für Staatspolitik“. Ein besonderes Anliegen ist Elsässer auch das Engagement für Russland. Er arbeitet mit einem kremlnahen Think Tank zusammen. Bereits 2017 fand in der Halber85 ein „Russlandkongress“, offiziell von der AfD veranstaltet, statt, der maßgeblich von Elsässer unterstützt wurde.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *