Fünf Jahre rechte Hetze sind genug

Unter dem Motto „Die Halle für alle. Aber nicht für jeden (Zweck)“ bietet in der Halberstädter Straße 85 die schicke und renovierte Event-Halle Halber85 Raum für Veranstaltungen verschiedenster Art. Der Widerspruch zum selbstgewählten Motto zeigte sich erstmals vor zirka fünf Jahren. Die frisch gegründete „Alternative für Deutschland konnte“, damals noch als „Anti-Euro-Partei“ bekannt, am 13.05.2014 die in Sudenburg gelegenen Räumlichkeiten für eine Wahlwerbeveranstaltung mit ihrem damaligen Gründer Bernd Lucke nutzen. Zwei Jahre später fand in der Halber85 eine Veranstaltung des rechten COMPACT-Magazin von Jürgen Elsässer mit dem rassistischen Hetzer Akif Pirincci statt. Ab August 2017 folgten verschiedene weitere AfD-Veranstaltungen mit Bezug zur Bundestagswahl sowie ein „AfD-Russlandkongress“, bei dem es vom Podium aus Lob für waschechte Nazis wie den Holocaust-Leugner Horst Mahler und die Generäle der Waffen-SS gab.
Die Liste der Veranstaltungen aus dem neurechten Milieu in dieser Räumlichkeit lässt sich mühelos weiter fortführen. Der faschistische Verleger Götz Kubitschek mit Veranstaltungen seines „Instituts für Staatspolitik“, AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen und der Wahlkampfauftakt zur Europawahl, die AfD-Jugend „Junge Alternative“ mit ihrem Bundeskongress und unter Ihnen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet. Identitäre und ehemaligen NPD-Aktivisten oder der rassistische Propagandist Thilo Sarrazin – sie alle bekommen im Magdeburger Stadtteil Sudenburg eine Bühne für menschenfeindliche Hetze.

Geldgier und fadenscheinige Argumente

Bei Hotelketten und seriösen Veranstaltern ist es ein üblicher Standard, dass für menschenfeindliche Hetze in Form von neonazistischer Propaganda, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus keine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Wer ist also dafür verantwortlich, dass sich die geistigen Brandstifter und faschistischen Strippenzieher in gemütlicher Atmosphäre ungestört und von der Öffentlichkeit fast unbemerkt in Magdeburg versammeln können?
Betreiber der Halber85 ist der aus Niedersachsen stammende Hartmut Sychla, Immobilienmakler und Dienstleister im Baugewerbe.
In einem offenen Brief begründete Hartmut Sychla im Jahr 2016 die Zusammenarbeit mit dem COMPACT-Magazin damit, dass der rechte Verlag sonst nirgends öffentliche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen würde. Die COMPACT-Magazin GmbH veranstaltet regelmäßig große Konferenzen, in denen es inhaltlich um den Untergang Europas durch eine „Homo-Lobby“, „Klima-Lügen“ und andere rechtspopulistische Themen geht, die die Herzen der flüchtlingsfeindlichen Verschwörer-Szene höher schlagen lässt. Um seine bedenkenlose Unterstützung rassistischer Propaganda, die vor allem wirtschaftlich motiviert ist, zu rechtfertigen, behauptete Betreiber Sychla, die AfD-Veranstaltungen ab August 2017 nur deshalb zu ermöglichen, weil angeblich Antifaschist*innen Sachbeschädigungen an der Halber85 und an Nebengebäuden begangen hätten. Auch obwohl es zu keinen weiteren Sachbeschädigungen an seinem Gebäude kam, stellt der Betreiber seine Räumlichkeiten konsequent weiter rechtsgerichteten Organisationen und Parteien zur Verfügung.

Verantwortung übernehmen – klare Kante gegen Nazis

Auch wenn den Verantwortlichen der Halber85 keine konkrete neonazistische Gesinnung nachgewiesen werden kann, tragen sie jedoch für das Erstarken der faschistischen Strukturen eine Mitschuld. Wer sich persönlich an expliziten Propagandaveranstaltungen der neuen Rechten bereichert und Ihnen freiwillig eine Bühne und Infrastruktur zur Verbreitung von rassistischer, homophober und anderer menschenverachtender Hetze zur Verfügung stellt, ist indirekt auch für die praktische Umsetzung der dort propagierten Ideologie auf der Straße in Form von Übergriffen mitverantwortlich und fördert diese. Durch die bürgerliche Etikette der Event-Halle wurde und wird die AfD und ideologisch nahestehende Organisationen hoffähig gemacht – rassistische Gedankengut als Normalzustand. An einem Abend hetzerische Naziparolen, am anderen Abend Landesanwaltstag, Wohnzimmerkonzert, Krankenkassenversammlung oder Saturday Night Club.
Abgrenzung Fehlanzeige, Hauptsache, die Kasse klingelt.

Sudenburg auf Abwegen

Der Stadtteil Sudenburg ist gleichzeitig auch Rückzugsraum vieler Faschisten und Rassisten, Übergriffe auf Migrant*innen sind dort keine Seltenheit. Keine hundert Meter von der Halber85 entfernt vertreibt der Thor-Steinar-Laden Bekleidung mit neonazistischen Bezügen, die Marke ist bei diesem Klientel sehr beliebt. Auch das gut wahrnehmbare AfD-Büro in der Halberstädter Straße ist Ausdruck eines immer stärker zu Tage tretenden Klimas der Menschenfeindlichkeit, bestimmte Sudenburger Kneipen dienen seit Jahren als Rückzugsorte für militante Faschisten. Die Halber85 ist dabei ein Paradebeispiel für einen Ort, an dem sich Faschisten und Rassisten unter dem Deckmantel vermeintlich harmloser Bürgerlichkeit treffen können.
Diese Duldung und Normalisierung faschistischer und rassistischer Strukturen ist absolut inakzeptabel.

Schluss damit!

Wir fordern ein Ende der Geschäftemacherei mit den faschistischen Akteuren und gleichzeitig ein Ende der Bereitstellung von Infrastruktur für ihre Ideologie. Wenn Geld der Grund für die Zusammenarbeit mit Faschisten ist, dann müssen wirtschaftliche Einbußen und eine konsequente Abgrenzung durch Vereine, Firmen und sonstige Veranstalter*innen die Folge sein. Wer die Halber85 mietet, trägt zu einer Normalisierung dieses Zustands bei und spielt indirekt den menschenverachten Akteuren in die Hände. Alle gesellschaftlichen Akteure sind gefragt, um dem rechten Spuk ein Ende zu bereiten. Die Kampagne ist angetreten, um dem braunen Spuk mitten in unserer Stadt durch Aufklärung und öffentlichen Druck ein Ende zu bereiten.

Wir fordern: Keine Bühne für Nazis – keine gemeinsame Bühne mit Nazis! Schluss mit der Geldmacherei mit Nazipropaganda!

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Unterstützer*innen:

Antifaschistische Zukunft
Dana Sens
Die Falken KV Magdeburg
Fachschaftsrat FHW
Feministisches Kollektiv Magdeburg
Fraktion GRÜNE/future! (Fraktionsvorsitzende Madeleine Linke und Olaf Meister)
Fraueninitiative Magdeburg e.V.
Geheimclub
Insel der Jugend
Jacqueline Brösicke
Janaschs
Jugendoffensive
Kein Bock auf Nazis
Lars Johansen
Libertäres Zentrum
Oliver Wendenkampf
Proletarische Autonomie Magdeburg
Referat DykeAndGay des StuRa
Regina – Ravende Europäer gegen Intoleranz und Nationalismus
Solidarisches Magdeburg
Solidaritätsbündnis Kurdistan-Magdeburg
SoliRADisch
SPIELWAGEN e.V.
Speiselokal Botanica
Sven Bienek
Zusammen Kämpfen Magdeburg

(alphabetisch geordnet; wird laufend erweitert)